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Kapselendoskopie
[Abbildungen: Given Diagnostic System]

Während Speiseröhre, Magen und Zwölffingerdarm durch endoskopische Untersuchungsmethoden ebenso zugänglich sind, wie der gesamte Dickdarm und das Ende des Dünndarms (terminales Ileum), ist bisher der größte Teil des Dünndarms einer endoskopischen Inspektion nur bedingt zugänglich. Die dafür verwendeten Enteroskope konnten realistischerweise nur den oberen Teil des 5 Meter langen Dünndarms untersuchen. Röntgen-Analysen (Röntgen-Sellink), die man ersatzweise in der Routine-Diagnostik benutzt, sind zum einen durch die Strahlenbelastung, zum anderen durch die Notwendigkeit einer naso-enteralen Sonden-Plazierung belastet. Eine Alternative scheint eine Untersuchung des Dünndarms mit Hilfe der Magnet-Resonanz (Kernspin) zu bieten. Allerdings ist dieses Verfahren nicht überall verfügbar und in seiner Aussagefähigkeit bzw. Treffsicherheit nicht ausreichend evaluiert (überprüft). Mit der Entwicklung der Kapselendoskope steht ein Verfahren zur Verfügung, das den Patienten nur noch minimal belastet. Entzündungen und Geschwüre in der Schleimhaut, wie sie bei Morbus Crohn vorkommen, werden mit einer Präzision abgebildet, die die bisherigen diagnostischen Möglichkeiten der Dünndarm-Untersuchung weit übertrifft.

Bei diesem Verfahren wird eine Kamera geschluckt, die in ihren Dimensionen einer Medikamenten-Kapsel entspricht. Der Patient bekommt für einige Stunden ein Korsett umgebunden, in dem Detektoren eingearbeitet sind, die die von der Kapsel aufgenommenen Bilder speichern. Die Zahl der Bilder ist so groß, dass ihre Wiedergabe einem kontinuierlichen Film der Dünndarm-Schleimhaut gleichkommt. Dadurch können auch feinste Veränderungen der Schleimhaut entdeckt werden, so dass Crohn-spezifische Veränderungen, die mit allen anderen Methoden nicht darstellbar waren, sichtbar werden. Vor dieser Prozedur müssen Stenosen im Bereich des Dünndarms ausgeschlossen werden. Dies wird in Zukunft durch eine Probekapsel überkommen, die Dünndarm-Verengungen erkennt, sich aber vor der Stenose auflösen kann.

Ein Nachteil dieser Methode ist ihr noch hoher Preis und die bisherige Weigerung der gesetzlichen Krankenkassen, die Kosten für diese Untersuchungsmethode zu übernehmen. Es ist zu hoffen, dass in naher Zunkunft hier mit einem größeren Verständnis gerechnet werden kann.